Besuch im Kraftwerk Linth-Limmern: Das Rückgrat des Europäischen Stromnetzes
Besuch im Kraftwerk Linth-Limmern: Das Rückgrat des Europäischen StromnetzesDass der Anlass trotz relativ grosser Platzzahl derart schnell ausgebucht war, zeigt das Interesse seitens der Aarauer Offiziere an einem Meilenstein in der Schweizer Stromproduktion: Das Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern im Glarnerland.
Zu früher Morgenstunde fand sich die Gruppe zum Transport an der Fehrstrasse in Aarau ein. Nach einem Zwischenhalt an der Raststätte Glarnerland erreichte der Bus um 09:30 Uhr das Betriebsgebäude der Axpo in Glarus Süd. Die Tourguides der Axpo, selbst äusserst langjährige und erfahrene Mitarbeiter der Axpo, holten uns mit ihrem tiefgreifenden Wissen schnell in ihren Bann. Eine erste Übersichtskarte über das Werksgelände liess die Komplexität erahnen.
Die stärkste Standseilbahn der Welt
Nach dem Eintritt durch die erste Schleuse fand man sich im Berg vor einer imposanten Einrichtung: Die stärkste Standseilbahn der Welt. Die Standseilbahn wurde errichtet, um Waren vom Installationsplatz Tierfeld auf 811 m.ü.M zur Kavernenzentrale im Berg auf stolze 1'700 m.ü.M. zu transportieren. Dies beinhaltet alle Bauteile, die in der Kaverne verbaut sind. Die schwersten Einzelteile waren die vier Maschinentransformatoren mit stolzen 190 Tonnen. Die Standseilbahn ist ausgelegt für Transporte bis zu 200 Tonnen. Durch eine clevere Planung der Maschinenkaverne können angelieferte Teile mit dem Deckenkran direkt ab der Bergstation der Standseilbahn angehoben und an ihren Platz transportiert werden.
Unheimliche Wasserkraft
Die Kraft des Wassers wird einem erst bewusst, wenn man unter dem drei Meter hohen Kugelschieber steht, der die gepanzerte Druckleitung vom Muttsee schliessen kann. Während der Führung hat der Maschinenblock 1 plötzlich den Betriebsmodus gewechselt: Von Phasenschieber- zu Pumpbetrieb. Dabei wird die leer laufende Turbine abgebremst, das Turbinengehäuse mit einem unheimlichen Lärm mit bis zu 60 bar freigeblasen, um dem Wasser dem Gefälle entsprechenden Gegendruck zu geben. Anschliessend wird die Turbine in der korrekten Phasenrichtung eingeschaltet, womit das Wasser den Berg hoch gepumpt wird. Das alles passiert in wenigen Sekunden jeweils vollautomatisch. Imposant ist, wenn man direkt unterhalb der betroffenen Teile steht und die Wucht dieser Naturgewalten förmlich spüren kann.
Der Rundgang führt uns durch Stollen, Stollen und noch mehr Stollen. Dazwischen Treppen, Fahrstühle, Gänge und Maschinen aller Art. In der Transformatorenkaverne, die aus statischen Gründen rund 50m neben der Maschinenkaverne gebaut wurde, konnten wir die luftisolierten Phasen mit 18kV Spannung bei 10'000 Ampere Nennstrom sogar anfassen. Diese münden im zentralen Bauteil: Den Transformatoren. Diese monströsen Gerätschaften, die jeweils 60 Tonnen Öl nur zur Isolation und Kühlung beinhalten, transformieren den Strom auf eine Spannung von 380kV, um ihn in das Schweizer Höchstspannungsnetz einzuspeisen. Diese farbcodierten Leiter sind aufgrund der enorm hohen Spannung gasisoliert.
Nach vielen weiteren interessanten Fragen und Gesprächen endete die Führung erneut vor dem Hotel Tödi. Die Gruppe begab sich anschliessend zum Mittagessen ins Hotel Restaurant Adler in Linthal, um mit einem fantastischen Cordon bleu den Tag zu krönen. Ein sehr interessanter und gelungener Anlass geht damit ein in die Geschichte der OG Aarau.